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Seit dem 1. Januar 2015 dient die elektronische Gesundheitskarte (eGK) als alleiniger, gültiger Versicherungsnachweis der gesetzlichen Krankenversicherung. Gegenüber der alten Krankenversichertenkarte ist mit der elektronischen Gesundheitskarte die technische Voraussetzung geschaffen worden, die Vernetzung im Gesundheitswesen voranzutreiben und künftig auch eine Reihe von medizinischen Anwendungen in digitaler Form zu ermöglichen.

Neue Technik und erste Anwendung Versichertenstammdatendienst

Grundlage der elektronischen Vernetzung ist der Aufbau eines hochsicheren Netzwerks mit Online-Anbindung der Praxen und Krankenhäuser, der sogenannten Telematikinfrastruktur. Hierzu werden auch Zahnarztpraxen mit neuen Sicherheitskomponenten ausgestattet. So wird in Zukunft eine spezielle Hardwarebox ("Konnektor") die Online-Anbindung der Praxen ermöglichen. Dieser Konnektor enthält wichtige Sicherheitsfunktionen wie zum Beispiel eine Firewall gegen Angriffe auf die Praxis-EDV und übernimmt auch Aufgaben bei der Steuerung der Anwendungen im Zusammenspiel mit dem Praxisverwaltungssystem. Mit einem elektronischen Heilberufsausweis wird der Konnektor auch die Erzeugung und Prüfung einer elektronischen, qualifizierten Signatur unterstützen.

Informationen zum elektronischen Zahnarztausweis

Die Installation des Konnektors erfordert einige technische Anpassungen: So werden künftig die Kartenterminals in der Praxis an das Netzwerk angebunden. Das Praxisverwaltungssystem muss für die Nutzung der neuen Komponenten und Anwendungen mit entsprechenden Software-Updates aktualisiert werden. Zudem werden weitere Komponenten benötigt. Um eine sichere Online-Verbindung zu gewährleisten und die Berechtigung zum Online-Zugang abzusichern, muss eine Praxis ihre Berechtigung in der elektronischen Welt durch einen elektronischen Praxisausweis nachweisen. Dies wird durch einen Chipkarte, ähnlich einer SIM-Karte für Smartphones ermöglicht.

Informationen zum elektronischen Praxisausweis

Damit alle technisch notwendigen Komponenten verfügbar und fachgerecht in der Praxis installiert werden, sollen diese Aufgaben durch einen zertifizierten Dienstleister sichergestellt werden. Dieser Dienstleister kann vom Praxisinhaber gewählt werden und soll dann alle notwendigen Arbeiten "aus einer Hand" erledigen.

Die Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte und der Telematikinfrastruktur werden schrittweise eingeführt. Mit der Installation der Komponenten in der Praxis wird diese Online angebunden. Die eGK muss wie bislang auch bei der erstmaligen Inanspruchnahme von Leistungen im Quartal in das Kartenterminal gesteckt werden. Anders als bislang erfolgt dann eine Online-Prüfung auf die Aktualität der Versichertenstammdaten und die Gültigkeit der Karte.

Sind die Daten nicht mehr aktuell, etwa aufgrund eines Adresswechsels, so können diese auch online geändert werden. Die Daten werden dann aktualisiert auf die Karte geschrieben und können dann aktualisiert in das Praxisverwaltungssystem eingelesen werden. Die Karte braucht in diesen Fällen nicht ausgetauscht werden und dem Leistungserbringer liegen die aktuellen Informationen vor. Diese erste Anwendung ist das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM).

Versichertenstammdatendienst ist Pflichtanwendung

Der Gesetzgeber hat die Anwendung VSDM im § 291 SGB V für die Leistungserbringer verpflichtend gemacht. Damit müssen die technischen Voraussetzungen in den Praxen erfolgen und die Prüfung der Versichertenstammdaten auf Aktualität durch das Stecken der eGK beim ersten Behandlungskontakt im Quartal durchgeführt werden.

Vertragszahnärzten drohen Honorarkürzungen, wenn diese ab dem 1. Juli 2018 die Prüfung nicht durchführen. Es ist daher im Interesse des Praxisinhabers, zügig nach dem offiziellen Start des bundesweiten Rollouts die Ausstattung der Praxis mit den notwendigen Komponenten durchzuführen, um "VSDM-ready" zu sein.

Stand heute: Beginn des Wirkbetriebes

Für die technische Zulassung der neuen Komponenten, wie des Konnektors und der Kartenterminals ist die "Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH" (gematik) mit Sitz in Berlin verantwortlich. Träger der durch den Gesetzgeber initiierten gematik sind die Spitzenorganisationen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), also unter anderem auch die KZBV und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Neben dem Nachweis der technischen Funktionsfähigkeit müssen die Hersteller für die Komponenten, wie zum Beispiel den Konnektor, eine Sicherheitszertifizierung nach den Vorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nachweisen.

Die Erprobung der Technik und Sicherheit der Komponenten und Dienste – sowohl im Labor, als auch in der Erprobungsregion Nordwest in den Praxen ausgewählter Vertragszahnärzte, Vertragsärzte sowie einiger Krankenhäuser – ist erfolgreich abgeschlossen worden.

Die Gesellschafterversammlung der gematik hat daher am 1. Juni 2017 den Beschluss zum Online-Produktivbetrieb der Stufe 1 der Telematikinfrastruktur mit der ersten Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte – dem Versichertenstammdatenmanagement – gefasst. Der bundesweite Wirkbetrieb ist damit freigegeben worden.  

Die Verfügbarkeit der Komponenten und Dienste ist von der erfolgreichen Zulassung durch die gematik abhängig.

Kostenerstattung: Wer zahlt dafür und wie erhalte ich mein Geld?

Mit der neuen Technik und der neuen Anwendung entstehen den Praxen Kosten und Aufwände. Der Gesetzgeber hat in § 291a Sozialgesetzbuch V vorgesehen, dass die Aufwände der Telematikinfrastruktur von den Krankenkassen erstattet werden müssen. Die Bundesmantelvertragspartner im zahnärztlichen Bereich – die KZBV und der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) – haben eine Grundsatzfinanzierungsvereinbarung und eine Pauschalen-Vereinbarung abgeschlossen, die die Finanzierungsansprüche der Zahnarztpraxen festlegt. KZBV und GKV-SV sind sich einig, dass die Höhe der Pauschalen in jedem Fall so kalkuliert wird, dass sie die günstigsten Kosten eines Standard-Erstausstattungspaketes sowie eines Standard-Betriebspaketes vollständig deckt. Zahnärztinnen und Zahnärzte können also eine vollständige Rückerstattung erhalten, falls sie die günstigsten Komponenten und Dienste bestellen.

Grundsatzfinanzierungsvereinbarung ORS1, Stand Juli 2017

Anlage zur Grundsatzfinanzierungsvereinbarung ORS1 - Pauschalen-Vereinbarung, Stand Juli 2017

Auf Basis dieser Vereinbarungen sollen künftig die Kosten und Aufwände über die KZVWL abgewickelt werden. Wir werden dafür entsprechende Formulare in unserem ZOD-Portal anbieten. Mit diesen Formularen können die Praxen dann alle Angaben machen, die für die Kostenerstattung notwendig sind.

Künftige Anwendungen

Zukünftig sollen weitere Anwendungen angeboten werden. Für den Zahnarzt werden dies die Nutzung der qualifizierten, elektronischen Signatur (QES) und die "Sichere Kommunikation Leistungserbringer (KOM-LE)" sein.

In der digitalen Welt ist die mit dem elektronischen Zahnarztausweis erstellbare qualifizierte, elektronische Signatur der handschriftlichen Unterschrift der Papierwelt rechtlich gleichgestellt. Dies ist wichtig, um rechtssicher elektronische Dokumente medizinischen Inhalts wie zum Beispiel Befundberichte oder einen Notfalldatensatz unterschreiben zu können.

Die Anwendung KOM-LE ist eine Form einer sicheren E-Mail, bei der in einem geschlossenen Nutzerkreis unter anderem  Leistungserbringer sicher mit Verschlüsselung der Daten vom Absender zum Empfänger (sog. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung) medizinische Daten, wie elektronische Arztbriefe austauschen können.

Versicherte sollen von den Anwendungen Notfalldatenmanagement, elektronischer Medikationsplan und Arzneimitteltherapiesicherheitsmanagement unmittelbar profitieren.  Der Patient kann zum Beispiel die geschützten Daten seiner aktuellen Medikation für die Behandler verfügbar machen. Eine Verordnung eines zusätzlichen Medikamentes kann dann vom Behandler auf Verträglichkeit mit der bestehenden Medikation geprüft werden. Die Nutzung dieser Anwendungen ist für die Versicherten freiwillig und darf nur mit ihrer Zustimmung erfolgen.

Das Notfalldatenmanagement (NFDM) beinhaltet notfallrelevante Daten, wie wichtige Vorerkrankungen und Allergien, welche auf der eGK der Versicherten freiwillig gespeichert werden können. Zahnärzte können im Notfall auf diese Daten zugreifen. Mit Zustimmung der Patientin oder des Patienten kann der Behandler auch einen Überblick über relevante Diagnosen bei einer Anamnese erhalten.

Mit der Anwendung elektronischer Medikationsplan sollen die Inhalte des bereits eingeführten papiergebundenen Medikationsplanes auf das elektronische Medium elektronische Gesundheitskarte überführt werden. Gefährliche Interaktionen von Medikamenten und Verordnungen sollen durch das Arzneimitteltherapiesicherheitsmanagement (AMTS) später ausgeschlossen werden.

Darüber hinausgehend soll in Zukunft eine elektronische Patientenakte wichtige Diagnose- und Behandlungsdaten fach- und sektorenübergreifend für Behandler verfügbar machen können.

 

 

Fragen?  Hotline 0251 507-300

Hier finden Sie die Ansprechpartner zur eGK aus allen weiteren KZV-Bereichen außerhalb Westfalen-Lippe.

 

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