Praxisteam
Patienten
Presse

 

Münster, 18. November 2017

 

 9. Vertragszahnärztetag

Durch das E-Health Gesetz sind alle (Zahn)Arztpraxen in Deutschland verpflichtet, sich an die Telematikinfrastruktur (TI) anzuschließen. Wegen vieler Spezifikationen und Fragen, zum Beispiel zum Anschluss und der Finanzierung, hat sich der restlos ausgebuchte Vertragszahnärztetag ganz diesem Thema und der Bedeutung für die Praxis gewidmet.

Die hundertprozentige Tochter der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KZVWL), die ZIS GmbH, hat ein Angebot für Beratungsvereinbarungen im Rahmen der TI versendet und führt derzeit EU-weite Ausschreibungen für verschiedene Dienstleistungen und Produkte durch, die zur Anbindung der Zahnarztpraxen in Westfalen-Lippe an die TI benötigt werden. Geschäftsführer Michael Evelt berichtete über den Status Quo des Angebots: „Ziel ist dabei, die Mitglieder beim Anschluss an die TI umfassend zu beraten. Rund 3.000 Mitglieder der KZVWL haben dieses Beratungsangebot bereits angenommen. Noch in 2017 wird der Ausschreibungsgewinner bekanntgegeben und Bestellungen entgegen genommen.“

In einer lebhaften Diskussionsrunde beantworteten der Vorstandsvorsitzende der KZVWL Dr. Holger Seib, Michael Evelt, die Zahnärzte Dr. Frank Bordan (Friendly User in Westfalen-Lippe), Dr. Franz-Josef Wilde und TI-Experte der ZIS GmbH Frank Schlegge verschiedenste Fragen, die die Zahnärzteschaft in den vergangenen Wochen an die KZVWL herangetragen hatte. So wurde die Finanzierung und Abwicklung der Rückfinanzierung beantwortet und der genaue Zeitplan der ZIS GmbH erläutert. Evelt: „Wir möchten den aufgebauten Druck etwas verringern, denn das führt nur zu Unsicherheit und Ablehnung. Die Sanktionen sind für 2018 vom Tisch und wir wissen, dass die Preise, die aus der Ausschreibung der ZIS GmbH hervorgehen, auch im zweiten Quartal noch unterhalb der finanzierten Pauschalen liegen werden. Das bedeutet: Der Zahnarzt zahlt bei ZIS keinen Euro drauf, hat aber deutlich mehr Zeit, alles vorzubereiten – ohne dabei unter Zeitdruck oder negative Konsequenzen zu geraten.“

Bordan erklärte außerdem, wie wichtig die Mitwirkung der Praxis bei der Installation der TI sei. Es sei essenziell, vorab genau zu überprüfen, ob alle relevanten Vorkehrungen getroffen seien, alle Passwörter zur Hand und ob zum Beispiel genügend Steckdosen und Kabel verfügbar sind. Sonst könnte die terminierte Installation schon an kleinen Ungenauigkeiten scheitern und muss neu terminiert werden. Evelt ergänzte, dass um dies zu vermeiden, vorab genaue Absprachen zwischen Zahnarzt und Dienstleister vor Ort (DVO) geplant seien. In der Praxis sieht das dann so aus: Der Zahnarzt schickt dem von ihm ausgewählten DVO das ausgefüllte Praxis-Check Formular, das er von der ZIS GmbH zugeschickt bekommen hat. Der ausgewählte DVO nimmt dann mit dem Zahnarzt telefonisch Kontakt auf und bespricht das Formular. Wenn er in dem Gespräch erkennt, dass er sich Vor-Ort in der Praxis orientieren muss, kommt er in die Praxis, um die Installation bestmöglich vorzubereiten. So ist am vereinbarten Installationstermin wirklich alles vorbereitet und vor Ort verfügbar und der schnelle Anschluss möglich. Es wurde deutlich, dass die ZIS GmbH die Interessen gegenüber allen TI-Partnern vertritt und als Ziel hat, sich um die Mitglieder der KZVWL zu kümmern. Darum setze man auch auf eine überlegte Auswahl – durch die Ausschreibungen – der Komponenten und Dienstleister und nicht auf Zeitdruck.

Unter dem Generalthema „TI zum Anfassen – Praxisalltag zwischen Digitalisierung und Patient“ referierte Peter Schaar über die Vorteile, Chancen und Risiken der Digitalisierung. Peter Schaar ist Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz und ehemaliger Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Darüber hinaus ist Schaar der amtierende Vorsitzende der Schlichtungsstelle der Gesellschaft für die Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik). Er berichtete über die beschleunigten Informations- und Kommunikationsprozesse, die auch zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität führen. Eine bessere Diagnostik sowie die Vermeidung von Behandlungsfehlern seien digitale Verheißungen. Die Vernetzung durchdringe alle Bereiche des Gesundheitswesens, so Schaar. Sie starte bei der digitalen Erfassung und Speicherung von Befunddaten, gehe über den digitalen Medikationsplan, die elektronische Patientenakte und Telemedizin bis hin zur Forschung mit Gesundheitsdaten. Risiken seien hierbei, die Abhängigkeit von IT-Systemen, die technische Fehler haben oder manipuliert werden können, sowie die Gefährdung des Datenschutzes von Patienten und Ärzten. Die TI bezeichnete er als „sicheres Netz zur Übertragung und Verarbeitung von Gesundheitsdaten“. Ziel der TI sei eine Verbesserung der Versorgung durch vernetzte Informationsprozesse, die Verfügbarkeit medizinischer Daten, die Vermeidung von Doppeluntersuchungen, Arzneimittelsicherheit und damit Effizienzsteigerung. Der Datenschutz sei bei der eGK durch strenge gesetzliche Vorgaben und die Datenhoheit der Versicherten gegeben.Schaar: „Die Digitalisierung des Gesundheitswesens lässt sich nicht aufhalten, aber gestalten.“

Während der gesamten Veranstaltung hatten die Teilnehmer außerdem die Möglichkeit, eine TI-Demonstration zu sehen. Der Ablauf  der TI und die Komponenten, die in der Zahnarztpraxis für den Versichertenstammdaten abgleich (VSDM) benötigt werden, wurden in Testszenarien demonstriert. So konnte ein regulärer VSDM, aber auch Problemszenarien, gezeigt werden. Zum Beispiel, wenn ein Patient mit einer ungültigen elektronischen Gesundheitskarte in die Praxis kommt.

Seib resümierte: „ Die vielen Fragen und Anregungen aus der Zahnärzteschaft während dieser Veranstaltung, aber auch vorab in persönlichen Gesprächen oder an unserer Hotline, zeigen für wie viel Gesprächsstoff, offene Fragen und Emotionen diese Thematik sorgt. Wir hoffen, dass wir durch unser umfassendes Informationskonzept, aber auch unsere Unterstützung durch die ZIS GmbH, unseren Mitgliedern die Unsicherheit nehmen können und sie bestmöglich informieren und beraten können.“

Praxis-Suchdienst

Notdienst

Patientenberatung

Zahnlexikon