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Münster, 21.Februar 2017

 FVDZ-Bundesvorstandssitzung in Bonn

Evelt klEs holpert und es ruckelt auf der Datenautobahn der Telematikinfrastruktur (TI). Doch so allmählich werden die „Schlaglöcher“ gestopft, und der Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), inklusive Stammdatenabgleich, nimmt Formen an. Zumindest in den Testregionen ist die Erprobungsphase, wenn auch mit großer Verspätung, nun angelaufen. Zeit für den Freien Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ), kritische Fragen zur Telematik zu diskutieren.

Telematikexperte Dr. Gordan Sistig, Vorstandsmitglied der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe und Michael Evelt, Hauptgeschäftsführer der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Westfalen-Lippe, informierten den FVDZ-Bundesvorstand (BV) bei der Sitzung im Februar in Bonn über den Stand der Dinge, Probleme und Lösungsansätze – exemplarisch für den Bereich der KZV Westfalen-Lippe. Die Hauptkritik zum Einsatz der eGK liegt nach wie vor darin, dass es durch das E-Health-Gesetz verbindliche Vorgaben gibt, die jedoch durch technische Verzögerungen, Genehmigungs-, Zertifizierungs- und Lieferschwierigkeiten nicht einzuhalten sind. Nach Einschätzung Evelts wird es nach der Bundestagswahl weitere Anpassungen von Seiten des Gesetzgebers zu den Fristen und Sanktionsmöglichkeiten geben müssen, weil die technischen Komponenten zum Einsatz der eGK nach wie vor fehlten. Vor allem die vorgesehene Honorarkürzung bei Ärzten und Zahnärzten, die zum vom Gesetzgeber vorgesehenen Zeitpunkt nicht an der TI angeschlossen sind, stieß auf grundlegende Kritik: Es liege nicht in der Verantwortung der Zahnärzte, wenn sie aus technischen Gründen nicht angeschlossen werden könnten, verdeutlichte Evelt. Nach wie vor gebe es keine Komponenten, die im Normalbetrieb verwendet werden könnten, und wenn es sie gebe, dann seien diese für den Probebetrieb zugelassen, nicht aber für den Online-Produktivbetrieb. Auch die Praxisverwaltungssoftware müsse komplett umgestellt werden.

Eigener Dienst der KZV
Die KZV Westfalen-Lippe will nun einen eigenen Zugangsdienst zur Telematikinfrastruktur aufbauen, um für ihre Mitglieder eine unabhängige Lösung zum Angebot der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik) zu schaffen. Dafür wird ein bereits bestehender Abrechnungsdienst so erweitert, dass die TI-Anwendungen möglich werden. „Wenn es schon gesetzliche Vorgaben gibt, dann sollte wenigstens die Auswahl des Betreibers selbstbestimmt sein“, betonte Evelt. „Sonst gibt es nur einen Anbieter – und der bestimmt dann auch den Preis.“ Für die KZVen ergebe sich mit eigenen Diensten die Möglichkeit „Trendsetter und Gestalter der TI“ zu sein, wie Evelt das nennt. „Wir sollten die Möglichkeit nutzen, uns nicht alles von der Politik aufzwingen zu lassen.“ (mehr dazu auch auf www.zis-ti.de)

Sportliches Ziel ist unmöglich zu halten
Auch Telematikexperte Sistig hält das „sportliche Ziel“, dass die Infrastruktur bis Mitte des Jahres flächendeckend einsatzbereit und die Teilnahme bis Mitte 2018 für alle Praxen verpflichtend ist, für „ein unerreichbares Ziel“. Die technische Entwicklung sei zudem der TI in den vergangenen Jahren immer wieder davongelaufen und die Technik heute eigentlich schon wieder veraltet. Dennoch müsse man nun schauen, wie man die „Datenautobahnen der TI“ in Zukunft eigentlich nutzen will. „Denn dass es die TI geben wird, steht außer Frage“, betonte Sistig. „Es ist nicht mehr die Frage des Ob, sondern nur noch des Wie.“ In seinem Vortrag vor dem BV blickte er in die „schöne neue Welt der technischen Entwicklung“ und zeigte, welche technischen Möglichkeiten von Online-Konsultation und Auswertung von Big Data bereits heute möglich sind. Letztlich zeigte Sistig drei Fragen auf: Wie lassen sich die Kosten aus dem Einsatz der TI in die Behandlungshonorare einpreisen? Wieviel Telemedizin wollen wir zulassen und wo ist eine Beteiligung für Zahnärzte sinnvoll? Wie weit gehen die technischen Vorgaben zum Datenschutz und wo stoßen sie an ihre Grenzen?

Arbeit kl

Standards der TI mitgestalten
Der BV diskutierte eingehend über Datensicherheit und den Schutz von Patientendaten. Deshalb sei es nun wichtig, aktiv beim Erstellen der Standards und beim Einsatz der Telematikinfrastruktur mitzusteuern, um böse Überraschungen wie bereits bei den Hygienerichtlinien zu vermeiden, betonte der FVDZ-Bundesvorsitzende Harald Schrader. „Wir müssen selbst gestalten und uns nicht gestalten lassen“, sagte er. Bei den Hygienevorgaben habe es die Zahnärzteschaft verpasst, Standards zu definieren, deshalb haben letztlich Juristen die Grenzwerte des Machbaren und Möglichen vorgegeben, aber nicht unbedingt diejenigen, die direkt betroffen seien. „Das darf uns im Bereich der TI nicht noch einmal passieren“, verdeutlichte Schrader. Der Weg der KZV Westfalen-Lippe sei in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel. Es müsse klar herausgearbeitet werden, welche Anwendungen der eGK und der dahinterliegenden Infrastruktur einen Vorteil für die Zahnärzteschaft böten und sinnvoll einsetzbar seien und welche nicht. Schrader unterstrich: „Es hat keinen Sinn, die eGK rundweg abzulehnen, über dieses Stadium sind wir hinaus. Wir müssen sehen, wo die nutzbringenden Möglichkeiten der Telematik für die Zahnärzteschaft liegen.“ Für ihn ist es wichtig, dass die gematik nicht der Alleinanbieter der Anwendungen ist, damit der Wettbewerb erhalten bleibt. „Ich halte es für einen guten Weg, wenn die Zahnärzteschaft dies selbst in die Hand nimmt.“ Im Bundesvorstand fand diese Haltung einhellig Zustimmung. „Wir brauchen einen klugen Umgang mit den Daten“, sagte etwa Vorstandsmitglied Dr. Eckhard Jung. Die stellvertretende FVDZ-Bundesvorsitzende Dr. Gudrun Kaps-Richter betonte: „Wir haben die Verantwortung für die Daten anderer Personen, deshalb ist der Datenschutz für uns immer ein bestimmendes Thema.“ BV-Mitglied Dr. Reiner Zajitschek sagte: „Einige Anwendungen, wie beispielsweise ein Medikationsplan auf der Patientenkarte, sind sicherlich sinnvoll. Wir müssen die Richtung ansteuern, mit der wir auch etwas anfangen können.“

Strategische Ausrichtung weiter im Fokus
Neben diesem Hauptpunkt der Sitzung war Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente, ein weiterer Gast des Bundesvorstandes. Er berichtete über die Arbeit der Initiative und die steigende Zahl der Patienten- und Journalistenanfragen zu den aufbereiteten Themen. „Es ist bei Patienten wie auch den Medien angekommen, dass sie sich auf die neutralen Informationen verlassen können“, sagte Kropp. Die Initiative proDente wird seit 1998 durch fünf große Verbände finanziert, die das gesamte dentale Leistungsspektrum in Deutschland repräsentieren – der FVDZ ist neben der Bundeszahnärztekammer die größte Träger-Organisation von proDente. FVDZ-Bundesvorstandsmitglied drs. (NL) Hub van Rijt ist Vorstandsvorsitzender der Initiative. Für die Zukunft wurde eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen proDente und dem FVDZ-Bundesvorstand vereinbart, um noch direkter zahnärztlich wichtige Themen aufnehmen zu können. Der BV bereitete darüber hinaus intensiv die nächste Sitzung des Erweiterten Vorstands in Hamburg vor. Dabei geht es vor allem um die Einbeziehung der Studierenden in die Gremien des FVDZ und die Unterstützung der angestellten Zahnärzte, um sie auf ihrem Weg in die Freiberuflichkeit zu begleiten. Auch die Positionierung und strategische Ausrichtung des Freien Verbandes zur Bundestagswahl und die Positionierung zur Bürgerversicherung wurde bei der Bonner Sitzung weiter diskutiert. Eine endgültige Beschlussfassung soll es auch dazu im Erweiterten Bundesvorstand in Hamburg geben, damit der FVDZ gut gewappnet in den Bundestagswahlkampf starten kann.  

Text: Sabine Schmitt (FVDZ)

Fotos: FVDZ

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